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EU Prophylaxe [X]

Die Europäische Union hat ihre Zahnhygiene vernachlässigt.
Und das besänftigende Lächeln im Gesicht politischer Vertretung schmerzt.

Kein Wunder angesichts internationaler Herausforderungen.
Dabei bleibt wenig Zeit um sich für Grundfragen in Behandlung zu geben, schließlich muss der Mund nun funktionieren.
Trotzdem zerfrisst etwas die Wurzeln – und das schon länger:
Was ist mit den universellen Werten in Zentrum der Gemeinschaft?
Um welche geht es überhaupt?
Diese Fragen werden – besonders außergemeinschaftlich – nicht zum ersten Mal gestellt.
Die aktuell bedeutsamsten Unterwanderer: die putinschen und trumpschen Regime.
Die Gründe schmecken meist machiavellisch-perfide, mal ignorant und selten nach legitimer Kritik.
Aber tragischerweise funktioniert die Unterwanderung auch so.

Und fast noch tragischer ist, dass das Warum zu komplex ist, um leicht kontern zu können.

Dabei ist die Glaubwürdigkeit dieser universellen Werte sowohl inner- wie außereuropäisch von wachsender Wichtigkeit, denn sie sind maßgeblicher Teil des Kernes der sogenannten westlichen Gesellschaft.
Dabei heißt dieses große Wort Werte nichts anderes als den Wert erkennen, für einen selbst und für alle. Klassischer Kategorischer Imperativ.

Denn zentral In einer Gemeinschaft wie der EU ist dabei natürlich Gemeinschaftlichkeit: Gemeinsamkeiten erkennen. Unterschiede anerkennen. Kompromisse erkennen.

Das ist nicht schwer zu schreiben und meistens nicht schwer zu leben, denn mit den drei Handvoll Nachbarn und Kollegen des Alltags ist’s noch überschaubar – Es klappt schon, solange alle ein bisschen wollen.
Nur wenn es größer wird, wird es herausfordernd. Und wenn im großen Stil aktiv herausgefordert wird, wird es politisch.
Dann muss man glauben; an den Kern des Miteinander: den Vertrauensgrundsatz, dass die anderen auch wohlwollend wollen.
Die ersten die daran glauben müssen, sind die EU-Bürger selbst. Was sie am ehesten dann tun, wenn sie die Vorteile leibhaftig erleben.
Was interessiert schließlich ein glorreiches papierenes Ideal, wenn ich davon nichts mitbekomme.
Wenn aber eine Grenze, die ich vorher kaum wahrgenommen habe, plötzlich nur umständlich oder gar nicht überschreitbar ist – das fällt auf, das stört.

Beispiele wie diese spürbar als Vorteil zu vermarkten, scheint wohl eine Notwendigkeit geworden zu sein, wenn machtgierige Diktatoren außerhalb und Personenkulte innerhalb der EU mit schleichendem Eifer das Fundament abklopfen.
Ein Fundament, dass beim Nachbar beginnt und bei der Idee – dem Wert – von regierenden Gleichen endet. Denn das Lächeln politischer Vertreter ist dann glaubwürdig, wenn sie spürbar für einen selbst stehen. Aber bei einer großen Gemeinschaft kann das rechnerisch nur dann funktionieren, wenn die konkreten Werte auch symbolisch werden. Zwar hat Symbolpolitk zu recht einen Beigeschmack, nur wird man 400 Millionen Bürger nicht stets in Diskussionen über gemeinsame Werte beteiligen können. Besonders nicht im nur zunehmenden öffentlichen Tempo öffentlicher Debatte.

Wenn beispielsweise die Grenzkontrolle für Sicherheit der nationalen Gemeinschaft steht, ist das ein Symbol, das über die Einschränkung hinwegsehen lässt im Stau zu stehen, solange die Vorteile wenigstens abstrakt Eindruck machen. Die gleiche Kontrolle kann dann zeitgleich schwerer für die Einschränkung von Freiheit der europäischen Gemeinschaft stehen. Faktisch kann zwar beides der Fall sein und das Gespräch darüber muss dringend stattfinden – aber das dauert eben.

Vorab ist der europäischen Öffentlichkeit eine Prophylaxe zu verordnen – eine pflegende Maßnahme. Vorbeugend der Gefahr die Alltäglichkeit unserer praktizierten Innergemeinschaftlichkeit zu unterwandern. Und zwecks Orientierung ein ehrliches Inszenieren von ehrlicher Bedeutung. Denn während wir uns über die Details unserer Werte gesund-streiten, haben wir so emotional vor Augen, was sachlich schnell zerredet wird: gelebtes Europa.

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Täglich lockt die Dystopie [X]

Wenn die Endzeit zum Tagtraum wird und warum wir trotzdem mehr davon brauchen.

 

Teil 1 – Warum

 

Geht die Welt den Bach herunter? Sag du es mir.

In jedem Fall braucht es mehr düstere Geschichten über die mittelbare Zukunft. Und du solltest sie schreiben.

 

Dystopien.

Gegenwärtige Probleme werden polarisiert zum Dreh- und Angelpunkt.

Für Orwell etwa waren eigene Erfahrungen bekannterweise für sein Schreiben gegen den Totalitarismus von zentraler Bedeutung.

Dystopien werden oft als eine Art Spiegel der Komplexitäten unserer Welt verstanden, in warnenden Geschichten verbaut, gerne um Themen wie soziale Ungerechtigkeit,  Umweltkatastrophen oder den Vormarsch von Autoritarismus.

 

Also mal eben einige der drängendsten Probleme unserer Zeit.

 

Das regt zum Denken an und ist so endlos faszinierend wie unsere Weltgesellschaft komplex ist.

 

“Klimawandel überstehen?”

“Technologie wird Leben umkrempeln?”

“Egomane hat großen roten Knopf (oder Kopf)?“

 

Dystopien sind Sandkästen für Gedankenexperimente zu schwerwiegenden Fragen – und schwierige Zeiten gebären den Bedarf, diese Fragen zu bearbeiten.

 

Details, die nicht nur mit einer fernen Zukunft zusammenhängen, die es vielleicht nie geben wird, sondern uns helfen, das Hier und Jetzt zu bewältigen, indem sie unsere größten Sorgen bearbeiten.

 

Die Welt braucht solche Erzählungen.

Dystopien über gegenwärtige Themen, Geschichten, die sich mit den großen gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit auseinandersetzen; Geschichten, die uns mitreißen in Zukunftsvisionen über das, was wir gegenwärtig zu bezwingen haben. Spielplätze für Aufgaben, die uns als Individuen beschäftigen, aber nur gemeinschaftlich lösbar sind und um die wir alle uns gerne drücken, weil sie zu bedrückend sind.

Her also mit gedanklichen Spielplätzen, die diese Themen weniger zermürbend vermitteln als die Nachrichten.

 

Denn gute Fiktion ist verführend und entführend. Sie schlägt eine Alternative zur Gegenwart vor und lässt uns darin eintauchen.

Bücher mögen dafür etwas aus dem Fokus gerückt sein, aber Erzählungen sind noch immer im Zentrum der Unterhaltunglandschaft, völlig egal ob Video-Essay, Spielfilm oder Tiktok-Sketch. Dabei scheinen gerade letztere vielleicht nicht mit dem Faust auf einer Linie zu liegen, können aber gerne ganz eigene Meta-Kommentare zu dem einen oder anderen Kulturelement sein – oft egal wie oberflächlich sie scheinen. Aber dazu ein andermal mehr.

 

Wir setzen uns in Geschichten nicht selten mit ebenso komplexen Umständen auseinander wie die, von denen wir Abstand suchen, aber eben aufpoliert oder vertuscht als Unterhaltung, denn sie sind bekannterweise ein exzellentes Vehikel, um Inhalte zu vermitteln.

 

Nichts gegen eine gute Doku, aber die Inhalte, die die Dopaminknöpfe besser, oder einfach nur schneller, hämmern liegen offensichtlich vorn.

Umso wichtiger, dass ein paar mehr darunter sind, die die üblichen Zukunftsängste nicht ständig katalysieren, sondern verarbeiten.

 

Gute Geschichten haben immense Reichweite, befeuert mehr denn je durch das Internet.

Sie können uns viel eher auf einen gemeinsamen Nenner bringen, indem sie die verschiedenen Perspektiven unserer kollektiven Sorgen allen zugänglich machen, als die Nachrichten oder zu lange Essays.

Wir können sie zum Entschwinden und Verdrängen nutzen, gleichzeitig unsere Gegenwart verarbeiten und Alternativen inspirieren.

Oder zumindest denkbar machen.

 

Gerade dystopische Geschichten haben dafür den nötigen Realitätsbezug.

Schließlich beziehen sie sich auf echte Sorgen und Ängste.

Die auszudrücken und zu erkunden ist für Individuen ebenso wichtig wie für ganze Gesellschaften. Und für beide ist es unangenehm.

 

Am besten genau die Themen, die besonders gerne in Dystopien ihren fatalistischen Ausdruck finden – große übergeordnete Sorgen, die individuelle Probleme geradezu verschlucken. Allein sind sie nicht lösbar und das macht damit verbundenen Gefühle ebenso schwer auflösbar, zumindest, wenn man sie nur gären lässt.

 

Also schreib was drüber. Geschichten, in denen deine Sorgen obsiegen.

Dabei muss nicht unbedingt eine Antwort mitgeliefert werden. Nur den Ort zum Erkunden der Probleme.

Wie in einer Therapie müssen diese zu großen Themen aber Ausdruck finden. Die Welt braucht einen Spielplatz, um sich über den empfundenen Weltuntergang zu unterhalten und dabei den Schmerz angesichts einer leidenden Welt fühlen zu dürfen.

Denn im Gegensatz zu unserer Realität kann man die zu großen Probleme hier erkunden, ohne ihre Konsequenzen leben zu müssen, trotzdem aber hilfreiche Rückschlüsse für das Jetzt ziehen und idealerweise Debatten auslösen.

 

Gerade jetzt braucht es diese freie Diskussion, die gute Fiktion auslöst, belebt durch die Vielfalt an Interpretation, die ihr folgt.

Denn ist politische Debatte wirklich der erste Ort, an dem all das aufeinanderprallen sollte, oder könnte nicht die Debatte unter Freunden dem etwas mehr vorgreifen, wenn die Realität mitsamt der Absurdität aller eigener Ängste auf irgendeinem Bildschirm, Text oder Bild, spannend durch geflimmert ist?

 

Zukunftsängste müssen wieder und wieder greifbar gemacht werden in ihren Auswirkungen.

Das löst nicht automatisch die Angst auf, aber macht sie weniger lähmend, wenn die Vorstellbarkeit der Konsequenzen gewährleistet wird.

Das mag absurd klingen, aber es denkbar machen, in den boshaftesten Dystopien dennoch leben zu können, dass es in ihnen immer noch weitergeht und kein Ende darstellt, macht es möglich, sich mental vorzubereiten und anzupassen. Oder auch schlicht zu verarbeiten, was die Konfrontation mit den eigenen Sorgen auslöst, und das nicht erst zwischen Stammtisch und Wahlurne.

 

Das Schlimmste vor Augen!

Wenn man sich vorstellen kann, in den Ruinen der Welt leben zu können, dann kann man weiterdenken.

Asche. Und jetzt?

 

Natürlich ist der Realitätsbezug dabei hilfreich, zumindest macht er die Fiktion interessant. Aber es ist nicht so wichtig, ob die gemalte Zukunft jemals so eintreten wird.

Ganz so rational muss die Geschichte dann nicht sein, Ängste sind das ja schließlich auch nicht.

Viel wichtiger ist das Konfrontieren der Sorgen, das Spielen mit möglichen Konsequenzen und am wichtigsten: der Austausch über diese sehr individuellen Aussichten.

 

Ein Gewinn für uns alle, wenn mehr davon entstehen.

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heut nicht [X]

ach was bin ich sonst so klug!

ohne müh leicht wie im tanz
gebier ich meisterwerk zu hauf
doch heute mag ich nicht so ganz
weil ich’s so will, verlasst euch drauf!

kopfgeburt erwürg im keim
lass ich gedanken ihren Lauf,
darf mal so gar nicht clever sein
heut schreib ich nur banales auf

tu der welt was seichtes kund
werf stumpfes zynik in den schlund
wen interessiert’s wen’s interessiert
wenn intellektuelle brach mich ziert.

morgen wieder traut mir bloß
werde ich wieder schöpfend sein
und sitz melete dann im schoß ~
doch heute lass ich alles sein

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Eine tragische Amtszeit [X]

Sehr geehrter Herr Lindner,

Schade, dass ihre Amtszeit als Finanzminister so verlief.

Die verhärtete Haltung, in der Sie verharrten, hat der Demokratie nachhaltig geschadet.
Gerade in Zeiten von Notwendigkeiten, außen und innen, ist das, gelindner gesagt, tragisch, praktisch aber äußerst beunruhigend.
Wie können wir nun an die so notwendigen Kompromisse glauben, die wir nicht nur auf nationaler Ebene dringend brauchen?

Kompromisse sind die Verhandlung von Erwartungen und Erwartungen haben wir einerseits alle viele.
Manchmal sogar mit Verständnis dafür, dass Volksvertreter wie Sie nicht alle erfüllen können.
Aber andererseits brauchen wir dringend früchtetragende Verhandlung, um diese Gesellschaft gemeinsam und nicht im  Alleingang zu gestalten.
Es ist einzuräumen, dass diese und die noch folgenden Vorwürfe nicht nur an Sie gerichtet werden müssen, ich bin aber sicher Sie können darüber hinwegsehen, dass dieses Schreiben Sie zur Gallionsfigur macht.
Dennoch, Alleingänge, die politisch zunehmend schön gezeichnet werden, beinhalteten mehr als nur Bequemlichkeit in Lösungen. Klein angefangen und im Rahmen der Demokratie gehalten, wirken sie unschuldig, weitergedacht sind sie zunehmend ein rutschiger Hang.

Kompromisse zeigen Charakterstärke durch die Fähigkeit zu kooperieren.
Keinen Kompromiss einzugehen, haben Sie betont.
Auch wenn Sie das sicherlich anders sehen, sieht man von hier wenig davon.
Als kleinster Bestandteil der Koalition hätten Sie sich hervortun können, nicht durch eine haarsträubende Blockade auf Kosten der gesamten Regierung, sondern durch ein Handeln als die Feder auf der Waagschale vor notwendigen Entscheidungen.

Schade, dass Sie keinen Haushalt für das reiche Deutschland organisieren konnten, der versteckte Vermögen mobilisiert und an die fiskale Front bringt.
Wenn Ihre Energie nur zur Hälfte gegangen wäre in Maßnahmen zur Eindämmung von Hinterziehung und zum Heranziehen derer, die am meisten leisten könnten, hätten Sie sich doch den Kopf schmücken können, mit all dem was sie möglich hätten machen können auch für das Klientel Ihrer verwundeten Partei.
So wäre vielleicht nicht der Eindruck einer Blockade von so vielen Projekten Ihrer Koalition entstanden, sondern ein Bild von Ihnen als Kitt, der alles zusammenhält.
Diesem Kitt, den die von Krisen verunsicherte Gesellschaft so dringend als Vorbild gebraucht hätte und braucht.
Schade, dass in einer Zeit, in der Zusammenhalt so nötig ist wie noch nie, Sie diesen nicht nur nicht vorleben konnten, sondern zeigen, dass man sich ewig uneins sein kann.
Uns täte allen gut zu sehen, dass politische Akteure wie Sie, unsere Vertreter, sich bemühen, über das eigene politische Kalkül hinauszuwachsen, aus Respekt der von ihnen Vertretenen gegenüber.
Denn letztlich verdienen es Bürger zumindest von denen regiert zu werden, die sie auch respektieren.

Für Ihre weitere Zukunft alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen,

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Das große Wir [X]

Ich habe diese Fantasie, in der ich, wenn ich Wissenschaftler in der ersten Person Plural über ihre Errungenschaften sprechen höre, mir vorstelle, sie würden in einem weit gefassten wir sprechen.
Manche haben ihr ‚wir‘ tatsächlich so gemeint, wie Carl Sagans Aussage:

> „We are made of star-stuff. We are a way for the cosmos to know itself.”
> „Wir sind aus Sternenstaub. Wir sind wie der Kosmos sich selbst erfährt.“

Die meisten sprechen von ‚uns‘ oder ‚wir‘ sicherlich eher in seiner regulären Verwendung, bezogen auf eine Gruppe wie ihr eigenes Team, oder die größere Gemeinschaft der Wissenschaftler.

Aber mit nur ganz wenig Fantasie klingt bei selbst diesem wir nicht nur das Forschungsteam eingeschlossen, sondern, ganz selbstverständlich, die gesamte Menschheit.
Auch wenn es eine positive ist, ist es zwar eine Unterstellung an diejenigen, die das so umfassend wohl nicht gemeint haben.
Aber es lässt zu, den schönen Traum eines großes wir zu denken.
Keine Trennung nach individueller, nationaler oder anderer Willkür:
Wir haben es geschafft. Das weite wir, das große wir. Das Wir.

Eine weitere Errungenschaft der Menschheit, an der Wir teilhaben, von der Wir profitieren, wie Wir von allen Unserer Errungenschaften profitieren.
Ich wünschte mir würden mehr Moment des großen Wir auffallen und weniger des großen Mir, aber ich bin sicher es gibt ungesehen viele von ihnen.
Und ich wünschte mehr würde im großen Wir verstanden werden.

Natürlich wäre es anmaßend, würden wir uns einfach die Erfolge anderer zuschreiben.
Aber es täte uns gut uns zu erinnern, wie Isaac Newton in seinem berühmten Zitat „On the shoulders of giants“ ausdrückte, dass wir und Wir von den Errungenschaften derer vor uns profitieren.
Das schließt alle ein, Alle trugen bei.
Das gesammelte Wissen und die damit verbunden Errungenschaften von Uns, der gesamten Menschheit.
Das ist sehr abstrakt. Unvorstellbar umfassend, auch wenn Erfolge wie Wikipedia es greifbarer machen, kommen auch diese Technologien nicht annähernd an die wahre Summe heran.
Die Epistemologie weiß, das Sinnbild einer großen Bibliothek ist nicht ausreichend, um den jahrtausendealten, dynamischen Wandel auszudrücken, den Wir durchlaufen und durchlaufen haben, um Unser Wissen zu erlangen.
Wissen auf Stein, auf Papier oder nur in Köpfen. Wissen konkret und ausformuliert, Wissen unbewusst oder praktisch. Wissen alt und selbstverständlich oder vergessen, Wissen neu und unbekannt oder hinterfragt. Wissen in diesem Teil der Welt, aber nicht in jenem. Wissen gefärbt von Wahrnehmung.
Wissen so individuell, dass nur du es hast und deine Lebzeit gebraucht hast, um es zu erlangen.
Ein unfassbares Mosaik, das Wir zwischen Uns kreieren, zu Unserem Vorteil, auch wenn wir es Uns nicht immer bewusst machen können. Dafür ist es zu umfassend.

Trotzdem, es kann nicht schaden, sich zu erinnern, was Wir zusammen bauen.
Wenn mal wieder jemand etwas erreicht und es der Welt mitteilt dann können wir uns daran erfreuen, dass Wir wieder reicher geworden sind.
Ich bin sicher, dass die individuellen Schaffer Uns ganz besonders dann teilhaben lassen an ihren Lorbeeren, wenn sie das spüren.
Und wenn sie es Uns widmen, dann sind wir frei uns darin zu sonnen.
Denn Wir haben bereits einen langen Weg hinter Uns und Wir werden Unsere Probleme bewältigen.
Wir gehören zusammen und wir haben Uns ebenso, wie Wir Uns haben.

Auf Uns.

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Politik? Hatte nie die Ehre. [X]

Apathie. 

Ein Schlagwort, um die schwindend geringe Wahlbeteiligung, zuletzt bei der Europawahl, zu beschreiben.

Dabei gilt die Apathie nicht nur der Politik. Es scheint, sie sitze wie ein Geschwür zwischen Menschen und verhindert sowohl gesellschaftliche Teilnahme als auch Anteilnahme.

Nicht ein Unwille, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, die so komplex sind, dass Menschen ihren Beruf darauf bauen, sich nur in einer Handvoll davon auszukennen. Sondern eine Überforderung. Eine Überlastung.

„Warum ist der Nahverkehr so schlecht und die Infrastruktur so marode?“

Themen, direkt aus dem Herzen. Persönliche Themen, die alle auch politisch sind. 

Alles, was den Alltag so sehr beeinflusst, dass wir den eigenen Freunden in einem Rant den letzten Aufreger ausbreiten müssen, bis sie sich auch zufriedenstellend aufgeregt haben, oder angestrengt die Augen verdrehen.

Der Ursprung von politischer Motivation. Eigenbezug. Empathie. 

„Wer hat eigentlich diesen Trottel in jenes Amt gewählt?

Und das Bildungssystem hat er auch vergessen.“

Und zwischen diesen Themen, mit mindestens einem geringfügigen Bezug zur eigenen Realität, kommt der unendlich scrollende Fluss von Autounfällen in den Feeds.

Mehr Zunder als man überhaupt in Rants verfeuern kann. Mehr als die Freunde überhaupt guten Willen haben sich anzuhören. Geschweige denn die Kraft.

Dabei ist es wichtig, dass man sich eine Meinung bildet und sich zu den wichtigen Themen positioniert. 

Leider müssen wir es mittlerweile pausenlos.

Alles andere wäre ja nicht integer.

Meine Prinzipien zwingen mich.

Denn wie soll sich sonst etwas ändern? Für mich und andere.

Dieses Projekt, diese kulturelle Entwicklung, dieses Verhalten anderer, dieses Ereignis, das zu dieser politischen Entscheidung führt, die mich erinnert, das ja das Rentenalter!

Atemlos durch die Themen, ein Aufreger nach dem anderen. Echauffieren wirkt fast wie ein Selbstzweck. Rageporn, auch so ein Schlagwort. 

Dabei sind wir keine Choleriker, und der Zorn ist keine reine Selbstbefriedigung, sondern, im Gegenteil, die schlimmsten Nachrichten sind die, die uns wirklich betreffen. An deren Ergebnis wir ein Interesse haben. Für uns oder für andere wollen wir das Beste.

Das ist es doch, was uns so wütend macht. Unser Instinkt für Gerechtigkeit. 

Eigentlich ein gutes Zeichen. Der gerechte Zorn richtet sich nicht nur gegen Unrecht uns selbst gegenüber, sondern es ist Platz in uns. 

Platz, auch im Namen aller denen wir begegnen, am digitalen Wehr der schlechten Nachrichten, Zorn zu spüren.

Gegen die Ungerechtigkeit und die, die dazu beitragen. Und die, die nichts dagegen tun. Wir hinter dem Bildschirm, am Stammtisch, allein, gegen alle Probleme der Welt.

„Denn die sind doch alle dumm! Wie kann sie das nicht interessieren?! Warum macht keiner was, die da oben, die da unten die die die.

DIE STEUERN!!!“

Die Themen, die Wichtigen. Alle wichtigen Themen, alle Themen wichtig, bis keine es mehr sind.

Die Erde brennt, die Gesellschaft frisst sich gegenseitig, was kann frau machen.

Schultern hoch, Schultern runter, Augen müde.

Reaktion schematisch.

„Ich hab’s doch immer gesagt, bei allen Fragen hatte ich die Antwort, zu allem eine Position. Meine Prinzipien waren klar.

Jetzt ist es zu spät und ich hab’ keine Kraft mehr.

Scheiß auf alles und alle.“

Am Ende die Resignation.

Und dann?

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Waldbrand [X]

 

Die Luft ist vom vorangeschrittnen Jahre

So dick geworden, fast dass man sie hält.

Es ist allen der Schatten eine Ware,

im Flimmern einer wolkenlosen Welt.

 

Wo singt Feldes Halm der Sonne Lieder,

Dort werfen schwitzend Straßen Falten.

Zusammen, beten sie den Regen nieder:

„Lass gnädig doch die Welt erkalten!“

 

Wohltat uns im Interim besonnen,

zwitschernd bemalt im grünen Muster.

Hier ist Seelenruhe – leicht gewonnen,

der Gang in schützend Waldes Luster.

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Der Kern [X]

Hier begraben liegt der Kern. Nicht der Sache, zumindest nicht einer.

Möge er alsbald begraben sein unter all dem, das nach ihm kam. Dann wird wohl mal etwas aus ihm erwachsen. Was es auch ist, es wird eine Überraschung.

Jetzt nur noch gießen.

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